Aktuelles / Presse
27.01.2010
Skaphoidfraktur – gibt es noch Herausforderungen?
Die exakte intraossäre Platzierung in der Längsachse des Skaphoids erfordert Erfahrung, um Fehllagen zu vermeiden
RAVENSBURG — Unverändert stellen auch heutzutage Frakturen des Skaphoids eine Herausforderung
im Hinblick auf die Diagnostik und die Behandlungsstrategie dar.
Als häufige Sportverletzung bei jungen Patienten werden die Ansprüche an eine erfolgreiche Therapie mit möglichst rascher Heilung offenkundig . Der Gipsmarathon über drei Monate oder länger, wie er lange Standard war, ist für die überwiegend jungen Patienten auch unter ökonomischen Aspekten problematisch. Hinzu kommt, dass wir trotz aller diagnostischen und technischen Fortschritte immer noch eine Vielzahl an Komplikationen nach übersehener oder erfolglos behandelter Fraktur sehen, die dann als Pseudarthrose oder irreversible arthrotische Spätfolgen diagnostiziert werden. Es bedarf daher eines klar strukturierten Vorgehens hinsichtlich Diagnostik und Therapie. Bei klinischem Verdacht mit Druckschmerz in der Tabatiere oder über dem distalen Kahnbeinpol muss eine exakte radiologische Abklärung durch eine ergänzende Spezialprojektionen, dem sogenannten Kahnbeinquartett, erfolgen. Kann danach keine klare Aussage getroffen werden, sollte ein Dünnschicht-CT mit primärer Bilderhebung in der Längsachse des Skaphoids angefertigt werden.
Die CT-Untersuchung ist hier dem MRT vorzuziehen, da sie eine exakte Beurteilung der Frakturmorphologie erlaubt, während mögliche Fehlinterpretationen der MRT-Untersuchung bei Nachweis eines bone bruise (Knochenmarksödem) oder nach mehrfachen Traumen zu falschen therapeutischen Konsequenzen führen können.
CT-Untersuchung stellt Basis für Therapie dar
Basierend auf der CT-Untersuchung wird die Therapie festgelegt. Frakturen mit Trümmerzonen oder Dislokation größer ein Millimeter sollten operativ stabilisiert werden. Dies gilt auch für alle Frakturen im proximalen Drittel, die wegen der prekären Durchblutungssituation sehr lange immobilisiert werden müssen und ein erhöhtes Risiko für eine Pseudarthrose mit avaskulärem proximalen Fragment aufweisen. Unverschobene Frakturen im mittleren und distalen Drittel können konservativ im Unterarmgips für sechs Wochen behandelt werden.
Mit Hilfe der kopflosen kanülierten Kompressionschrauben, deren Vorläufer die Herbertschraube darstellt, ist bei der Mehrzahl der Frakturen eine minimal invasive Versorgung möglich mit dem Vorteil einer nur kurzen Immobilsation von circa zwei Wochen. Werden nicht verschobene Frakturen minimal invasiv verschraubt, ist eine Ruhigstellung nicht erforderlich.
Die exakte intraossäre Platzierung in der Längsachse des Skaphoids ist aufgrund der besonderen anatomischen Form des Kahnbeins nicht einfach und erfordert Erfahrung und Kenntnisse der möglichen Gefahren, um Fehllagen mit Schraubenüberstand ins Gelenk und unzureichende Fixation der beiden Fragmente zu vermeiden. Erste positive Erfahrungen mit Navigationshilfen liegen vor und können hier möglicherweise in naher Zukunft diese Probleme lösen, wobei der technische Aufwand derzeit einen Einsatz in der klinischen Routine nur beschränkt erlaubt.
Presseartikel - Skaphoidfraktur – gibt es noch Herausforderungen? (PDF, 291 KB)
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